570 km Kinderverschickung - Kinderklau-der-ganz-normale-wahnsinn.de - Das dreckige Geschäft mit unseren Kindern

570 km Kinderverschickung

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Leben im ICE

Während Timos Kinderverschickung, heute freundlich als Heimunterbringung bezeichnet, in das baden-württembergische Kaff Seckach waren die die Zugreisen per ICE mehr als nur abenteuerlich.

Seinerzeit waren die Geschwisterkinder ab ein und zwei Jahre alt. Das heißt: eine Menge Gepäck und Kinderwagen mussten mit. Und das bei Zugfahrten, die je nach Besuchstermin zwischen knapp 6 und oft auch 12 bis 13 Stunden lagen. Es ist ja bekannt, dass die Bahn nicht die pünktlichste ist und war mal in Zug zu spät, verpasste man Anschlüsse. Häufig kamen wir von Besuchswochenenden erst um 23.30 Uhr zu hause in Essen an.

Das Jugendamt Essen erkannte die Problematik und bot mir großzügigerweise die Unterbringung der beiden Kleinen in einer Bereitschaftspflege an. Von diesem Angebot Gebrauch zu machen hieße, den Bock zum Gärtner zu machen. Das kleinere Übel und dem Kindeswohl eindeutig besser gerecht werdend waren dann doch die Zugreisen.

570 brutale Kilometer

Eine Zugfahrt die ist lustig, eine Zugfahrt die ist schön. Nur nicht dann, wenn:

  • die Entfernung 570 km beträgt
  • die Zugfahrten in den Wochenendverkehr fallen
  • die Zugfahrten in die Reisen der Wehrdienstpflichtigen fallen
  • es sich um die bestbefahrendste Strecke Deutschlands handelt
  • knappe Umsteigezeiten gewählt werden müssen, um noch am selben Tag anzukommen
  • schon bei wenigen Minuten Verspätungen sämtliche Anschlüsse nicht mehr erreicht werden
  • mit Anfahrten zum HBF 4x umgestiegen werden muss
  • nicht zwei Koffer mit Windeln, Klamotten und Verpflegung mitgeschleppt werden müssen
  • die Reise von oder nach Seckach führt, wo es nichtmals ein Taxiunternehmen gibt
  • die einzige Erwachsene einen gebrochenen, nicht behandelten Fuß hat.

Doch all dies spielte keine Rolle, wenn mir der Umgang mit Timo für mich und die beiden Geschwister wichtig war. Und das war er.

So sind wir im Rahmen der Kinderverschickung und Heimunterbringung wenigstens einmal per Monat unabhängig von Gesundheitszustand auch mit Magen-Darm-Grippe und Bindehautentzündung jeweils zwischen 16- und 20 Bahnstunden pro Umgangskontakt gefahren. Dabei betrug die Zeit, in der wir Timo sehen konnten oft nur wenige Stunden. Denn morgens früh in Essen losgefahren, kamen wir erst am sehr späten Nachmittag oder am Abend in dem Kaff Seckach an, um schon morgens früh wieder den Rückweg nach Essen anzustreben.

Nach jeder Fahrt in vollbesetzten ICE Zügen mit Klimaanlage sowie in zahlreichen anderen Verkehrsmitteln von Stadtbus über S-Bahn und Bummelzug waren wir regelmäßig im Anschluss an Grippe und Magen-Darm-Grippe erkrankt, so dass beim nächsten Umgang wir meist noch nicht wieder vollständig genesen trotz anhaltender Krankheit erneut diesen Marathon bewerkstelligen mussten.

Doch was nicht umbringt, macht bekanntlich hart und so wurden wir binnen zwei Jahren zu Profi-Bahnfahrern.

Das Ganze wirft natürlich die Frage auf: Warum wurde Timo ausgerechnet in ein Kinderheim verfrachtet, das 570 km entfernt und am Arsch der Welt liegt? Wurden von dort lohnenswerte Prämien für die Kinderverschickung gezahlt?

In diesem Zusammenhang mag es auch interessant sein, dass ASD Müller-Conte vom Jugendamt Essen unmittelbar nach der Inobhutnahme Timos sich unbedingt für eine Umsiedelung Timos in die Nähe von Essen einsetzen wollte, die dann aber von dem Fall abgezogen und durch ASD Doris Pfeiffer ersetzt wurde. Pfeiffer hielt unbeirrt an der Kinderverschickung nach Seckach fest, während Müller-Conte klar Position dahingehend bezog, dass dies dem Kindeswohl für Timo sowie auch den Geschwisterkindern ausdrücklich nicht zuträglich sei und mir als Mutter auch nicht zumutbar sei.

Weiter gewährt das KJHG Eltern ein Wunsch- und Wahlrecht bezüglich der Heimunterbringung. Demnach hätte Timo niemals nach Seckach verfrachtet werden dürfen. Obwohl ich im Rahmen des mir zustehenden Wunsch- und Wahlrechts ausdrücklich gegen die Kinderverschickung nach Seckach Position bezog, war Timo 22 Monate in dem abgelegenen Kaff eingepfercht.

Es wurde also auf maximale Entfremdung und Entfernung gesetzt. Warum? Lukrative Prämienzahlung?

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